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19.07.2019 Freundeskreis

Mit Pfeil und Bogen auf virtueller Jagd

Quelle: Hohenloher Zeitung, Samstag 13. Juli 2019, Redakteurin Barbara Griesinger.

Schöntal 

Einstige AWS-Produktionshalle in Sindeldorf verwandelt sich in ein Bogensportzentrum für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.

Beim ersten Schuss führt der erfahrene Bogenschütze und Trainer Eberhard Mugler Harry Schölch noch die Hand, hilft den Pfeil anzulegen und zu spannen. „Den Bogen gut spannen und Daumen weg von der Sehne", erinnert er den Senior im Rollstuhl. Der zielt, spannt, lässt die Sehne los - und der Pfeil bohrt sich mit einem leisen „Tock" in die Scheibe, knapp neben dem Luftballon.
Schon der nächste Pfeil zerfetzt den roten Ballon. Applaus schallt durch die Halle, und über Harry Schölchs Gesicht huscht ein zufriedenes Lächeln. Auch Gazellen,'Wasserbüffel, Hirsch und Bär trifft der Bogenneuling aus dem Eduard­ Knoll-Wohnzentrum, der zum dritten Mal mit Pfeil und Bogen schießt.
„Früher habe ich mit .dem Luftgewehr geschossen", erzählt er, „aber das ist schon lange her."Auch wenn die Technik eine andere ist, die Zielsicherheit hat Harry Schölch nicht verlernt. Die virtuelle Jagd im Bogenschieß-Kino ist indes ganz unblutig. Auch wenn die Tiere getroffen sind, wandern sie unversehrt weiter durch die Landschaft.
Talent
In der Bogenschießhalle am Ortsrand von Sindeldorf, hat Harry Schölch nun fast vor derHaustür die Möglichkeit, regelmäßig mit Pfeil und Bogen zu schießen und weiter zu trainieren. Dann, da ist Eberhard Mugler sicher, könne er den Bogen immer besser spannen und damit seine Leistungsgrenzen  erweitern. Von Talent und Disziplin der behinderten Bogenneulinge ist er nach den ersten Kursen, die in der Halle bereits stattgefunden haben überzeugt. zeugt. Bogenschießen sei zwar nicht ganz einfach, so der Experte. Doch die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit seiner behinderten Schüler habe ihn überrascht. „Da kann sich mancher Schütze ohne Handicap eine Scheibe abschneiden", so Mugler. Ab September ist die Schießhalle regelmäßig geöff­ net für Schützen mit und ohne Handicap, die sich zum Trainieren, aber auch zum Erfahrungsaustausch und Miteinander treffen möchten.
Dafür hat Mugler eine Hälfte der früheren AWS-Produktionshalle in eine barrierefreie Schießhalle mit barrierefreiem Zugang, Heizung, und Sanitäranlagen, Beamer sowie Projektionsfläche verwandelt, die auch als Zielscheibe dient. Sie kommt nicht nur behinderten Bogenschützen zu gute, für die das Outdoor-Terrain des Bogenparcours in Diebach nicht geeignet ist, sondern auch Schützen ohne Handicap. Denn der Parcours ist im Winter auch für sie geschlossen. Das in­ klusive Bogensport-Projekt, das mit Unterstützung des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) und des Eduard-Knoll-Wohnzentrums in Krautheim umgesetzt werden konnte, sucht deutschlandweit seinesgleichen.
Namensgeberin Strohbach
Nicht nur, dass die ehemalige Vize-Euro­ pameisterin Rosi Strohbach, die zu den ersten Bewohnerinnen des Eduard-Knoll-Wohnzentrums gehörte, die Namensgeberin der Halle ist, freut den Geschäftsführer des Wohnzentrums, Norman Weyrosta. Noch wichtiger ist ihm, dass mindestens 15 der 80 Bewohner des Krautheimer Wohnzentrums für Menschen mit Behinderung von dem inklusiven Bogenprojekt profitieren. Es soll zunächst zwei Jahre laufen und zu einem Pilotprojekt über Hohenlohe hinaus werden.
Ohne Eberhard Mugler sei das inklusive Bogenschieß-Projekt nicht zu realisieren gewesen, betont Ulf Schwarz,·BSK-Geschäftsstellenleiter in Krautheim. Er habe nicht nur die Halle entdeckt, sondern auch inner- wie außerhalb seines Bogenparcours-Teams viele Mitstreiter für das inklusive Sportprojekt begeistert, die ersten Kurse für Bogenschützen mit Beeinträchti­ gung initiiert und das rund 50.000 Euro schwere Projekt „mit viel Herzblut und Hartnäckigkeit” vorangebracht.
Projekt
Bei dem inklusiven Bogensport-Projekt geht es nicht um klassisches Sportbogenschießen,sondern um den intuitiven Zugang zum Bogenschießen, der laut Trainer Eberhard Mugler Konzentration,Achtsamkeit und Körpergefühl fördern kann. In den kommenden zwei Jahren sollen Erfahrungen gesammelt werden, wie der Bogensport für Menschen mit unterschiedlichen Behinde­ rungsgraden erfahrbargemacht werden kann. Unterstützt wird das
inklusive Projekt von der Aktion Mensch, die eine 95-prozentige Förderung beisteuert,und der Heinrich-Körner-Stiftung. bug



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